„Der Überläufer“: zweiteilige Lenz-Verfilmung von NDR, ARD Degeto und SWR mit Jannis Niewöhner in der Hauptrolle und einem hochkarätigen Schauspielensemble (FOTO)

NDR / Das Erste

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Hamburg (ots) –

Was ist wichtiger, Pflicht oder Gewissen? Was bedeuten
Freundschaft und Liebe in einer aus den Fugen geratenen Welt? Diese
aktuellen Fragen wirft Siegfried Lenz in seinem postum
veröffentlichten Bestseller „Der Überläufer“ auf – der jetzt als
Fernseh-Zweiteiler verfilmt wird. Oscar-Preisträger Florian
Gallenberger setzt die Koproduktion des federführenden NDR mit der
ARD Degeto und dem SWR bis zum 30. August 2019 in Szene, erst in
Polen (Krakau, Breslau, Warschau und Umgebung), dann in Bayern. Nach
preisgekrönten Filmen wie „John Rabe“, „Colonia Dignidad“ und „Quiero
ser“ ist es seine erste Arbeit fürs Fernsehen. Das Drehbuch schrieben
Bernd Lange („Das Verschwinden“) und Florian Gallenberger. Zu dem
hochkarätigen Schauspielensemble um Jannis Niewöhner gehören
Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne
Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonie
Benesch und Ulrich Tukur. Produzenten sind Stefan Raiser und Felix
Zackor von der Dreamtool Entertainment GmbH. Das Erste wird den
Zweiteiler im Frühjahr 2020 zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten
Weltkrieges zeigen. Für den NDR ist „Der Überläufer“ nach „Der Mann
im Strom“, „Das Feuerschiff“, „Die Auflehnung“ und „Arnes Nachlass“
die fünfte Adaption eines Lenz-Romans.

Christian Granderath, Leiter der NDR Abteilung Film, Familie und
Serie: „Lenz-Verfilmungen gehören zum NDR wie die Elbe zu Hamburg.
Die zweiteilige Verfilmung ‚Der Überläufer‘ ist dabei für uns ein
sehr besonderes Projekt – ein irritierender Kriegsfilm und eine
berührende Liebesgeschichte in einem, die hervorragend besetzt ist.
Wir freuen uns sehr, diesen zunächst unterdrückten Roman zum 75.
Jahrestag des Weltkriegsendes zu verfilmen, mit einer Hauptfigur, die
sich dem Irrsinn verweigert und die vom Mitläufer zum Überläufer
wird.“

Florian Gallenberger: „Ich danke Stefan Raiser und unseren
Partnern NDR, ARD Degeto und SWR, dass Sie mir diesen wichtigen Stoff
von Siegfried Lenz anvertraut haben. ‚Der Überläufer‘ behandelt
Themen, die besonders heute wieder von großer Relevanz sind. Ich
freue mich auf die Zusammenarbeit mit unserem großartigen Cast und
darauf, dieser epischen Geschichte um Liebe und Schuld in Zeiten des
Krieges Leben einzuhauchen und sie so einem großen Fernsehpublikum
zugänglich zu machen.“

Bernd Lange: „Lenz‘ Buch ist ein Schlüsselroman über
Wehrmachtssoldaten im Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig haben der Blick
des 25-jährigen Lenz auf das Nachkriegsdeutschland, auf die
deutsch-deutsche Teilung und seine Frage nach der Schuld derjenigen,
die das Land wieder aufgebaut haben, aus heutiger Perspektive fast
hellseherische Qualität.“

Stefan Raiser: „Es sind stürmische Zeiten, obwohl wir die
Generation sind, die alles hat – Frieden, Freiheit und Prosperität.
Wir wollen eine berührende Verfilmung schaffen, die uns zeigt, wie
wichtig es ist, um diese Errungenschaften zu kämpfen, so wie Lenz
selbst das mit seinem Roman wollte.“

Zum Inhalt: Im letzten Kriegssommer 1944 kehrt der junge
Wehrmachtssoldat Walter Proska (Jannis Niewöhner) vom elterlichen Hof
zurück an die Ostfront – und strandet im Niemandsland der polnischen
Wälder bei einem Haufen versprengter deutscher Soldaten, nachdem der
Zug zu seiner Kompanie von Partisanen in die Luft gejagt wurde.
Längst von den eigenen Truppen aufgegeben, sind seine neuen Kameraden
in einer verzweifelten Lage. Umzingelt von Partisanen, abgeschnitten
von der Front, erwartet sie der sichere Tod. Die Befehle des
kommandierenden Unteroffiziers Willi Stehauf (Rainer Bock) werden
immer sinnloser und menschenverachtender.

Proskas Begegnung mit der jungen polnischen Partisanin Wanda
(Malgorzata Mikolajczak) und seine Freundschaft zu seinem Kameraden
Kürschner (Sebastian Urzendowsky) lassen ihn immer stärker an der
Richtigkeit seines Fahneneides und an den Machthabern zweifeln. Als
die Rote Armee näher rückt, gerät Proska in Kriegsgefangenschaft und
kann sich nur noch retten, indem er zum Feind überläuft. Ein
gemeinsamer Fluchtversuch mit seiner großen Liebe Wanda misslingt.
Als Soldat der Roten Armee wird Proska mitverantwortlich für den Tod
seines Schwagers, des Ehemannes seiner Schwester.

Nach der Kapitulation Deutschlands machen die ehemaligen Soldaten
Proska und Kürschner in der sowjetischen Besatzungszone in Berlin
Karriere: Im Glauben an eine bessere Welt setzen sie die Ideen der
russischen Besatzer für ein neues Deutschland um. Doch Proska muss
miterleben, dass das Land im Aufbruch nicht einfach die Last der
Vergangenheit abstreifen kann, und gerät darüber erneut in einen
schweren Gewissenskonflikt. Eine „Stunde Null“ gibt es nicht. Erneut
steht Walter Proska vor einer folgenschweren Entscheidung …

Siegfried Lenz, der selbst in den letzten Kriegstagen desertiert
war, schrieb den Roman 1951 im Alter von 25 Jahren. Das insgesamt
zweite Werk des Autors, der zu den bedeutendsten und meistgelesenen
Schriftstellern der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur
zählt, wurde jedoch erst nach seinem Tod 2016 veröffentlicht.
Aufgrund zensierender Eingriffe seines Lektors wegen „handgreiflicher
Treulosigkeit gegen die Heimat“ hatte Lenz den Roman in den
Fünfzigern zurückgezogen und ihn lebenslang unter Verschluss
gehalten. 65 Jahre nach seinem Entstehen wurde der Bestseller als
„Sensation“ und „Schatz“ gefeiert.

Kamera: Arthur Reinhart, Szenenbild: Magdalena Dipont und Robert
Czesak, Produktionsleitung: Jannis Stahnsdorf. Die Redaktion haben
Christian Granderath und Sabine Holtgreve (NDR), Carolin Haasis (ARD
Degeto) sowie Manfred Hattendorf (SWR). Die Produktion wird
unterstützt mit Mitteln des Polish Film Institute, des
FilmFernsehFonds Bayern und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.
Beta Film übernimmt den Weltvertrieb.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040/4156-2304
Mail: i.bents@ndr.de

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